Altbekanntes quergebürstet:

Mark MersiowskyMark Mersiowsky (Foto privat)

1. Februar 2018, 19:00 Uhr, Daniel Pöppelmann-Haus (Eintritt frei, eine Spende wird erbeten)
Prof. Dr. Mark Mersiowsky (Universität Stuttgart):

Altbekanntes quergebürstet: Die Reichsabtei Herford im Frühmittelalter im Licht der aktuellen Forschung.

Die Anfänge der Reichsabtei Herford liegen in der Karolingerzeit. Anlässlich des 1200-Jahre Jubiläums des erst spät überlieferten Gründungsdatums 789, der Grabungen um das Herforder Münster und der Neuausgabe der wichtigsten erzählenden Quelle, der Vita Waltgeri in den 1990er Jahren war die Herforder Frühgeschichte mehrfach und kompetent von historischer wie archäologischer Seite beleuchtet worden. Die damals erzielten Ergebnisse bestimmen den aktuellen Kenntnisstand. Die Edition der Urkunden Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840), der auch für Herford im Jahre 838 das älteste im Original erhaltene Schriftstück ausstellen ließ, hat allerdings den bisherigen Forschungsstand zur Missionsgeschichte Westfalens grundlegend verändert. 

Nicht mehr unter Karl dem Großen, sondern wohl erst unter seinem Sohn Ludwig oder gar dem Enkel Ludwig dem Deutschen entstand das sächsische Bistumssystem, das bisher Karl dem Großen zugeschrieben wurde. So bietet es sich an, von historischer Seite erneut die Quellen und Argumente der bisherigen Forschung zu sichten. Die Konsequenzen dieser völlig veränderten Sicht für die Frühgeschichte Herfords sollen in diesem Vortrag deutlich gemacht werden.

Prof. Mersiowsky ist gebürtiger Herforder und leitet mit diesem Vortrag eine Reihe von Vorträgen des Geschichtsvereins ein, die weitere Grundlagen für das im Aufbau befindliche Archäologische Fenster am Münster und das Projekt „Ungewöhnliches Mittelalter – Frauen mit Einfluss und europäischen Kontakten“ im Rahmen des Europäischen Kulturerbe-Jahres (Sharing Heritage) 2018 liefern wird.
 

Weitere Informationen 

Urkunde Ludwig des Frommen von 838:Kaiser Ludwig der Fromme schenkt dem Kloster Herford (Herivurth) in ducatu Saxoniae unter der Äbtissin Fetta auf die Fürbitte Adalhards die Kirche zu Rheine (Reni) im Gau Bursibant, zu Wettringen (Vuateringas) und Stockum (Stockheim) im Gau Scopingus mit Zehnten und Hörigen. Data VII Id. Jun. a. XXV imperii, ind. prima. (Foto: Landesarchiv)