Redewendung und Etymologie

Redensarten aus dem Bereich des Handels

Gewicht    

Großes Gewicht auf etwas legen, etwas hoch bewerten. Aus der Kaufmannssprache. In die eine Schale der Waage muss man soviel Gewichte legen, wie die Ware in der anderen Schale wiegt.

Jemand gewogen sein, ihm wohlwollend zugetan sein. Man ist bereit, einem Menschen, dem man gewogen ist, viel auf der Waagschale zuzuwiegen. 

 

Hanse    

Jemand hänseln: ihn necken, üblen Scherz mit ihm treiben. Die Redensart hat mit der Hanse (althochdeutsch „hansa“= bewaffnete Schar) zu tun. Zusammengeschlossene bevorrechtigte Genossenschaften oder Gilden deutscher Kaufleute, die auswärtigen Handel trieben. So musste sich der Anwärter für die Aufnahme in die Hanse allerlei drastischen Handlungen und Zeremonien unterziehen, bei denen er schließlich auch noch die Zeche zu zahlen hatte. „Hänseln“, also für die Aufnahme in die Hanse bereit machen, wurden diese derben Scherze genannt. Dazu gehörte das „Hobeln“, Vorbeiziehen des Körpers an einen harten, rauen Gegenstand, und das „Rasieren, eine schmerzhafte Bearbeitung des Gesichts. Es handelt sich hier um eine symbolische Reinigung wie bei der Taufe: der Neuling sollte unschuldig und rein in die Bruderschaft aufgenommen werden.

 

Kerbe  

Etwas auf dem Kerbholz haben, kein reines Schuldkonto, etwas ausgefressen haben. Das Kerbholz ersetzte auf dem Lande bis ins 19.Jh. bei des Lesen und Schreiben Unkundigen das Schuldbuch. Es waren zwei aufeinander passende Holzstäbe, in welche die Schulden des Käufers eingekerbt wurden. Einen Stab erhielt der Gläubiger, den anderen der Schuldner. Zur Abrechnung schickte der Gläubiger dem Schuldner seinen Stab, der sich durch Zusammenlegung mit dem seinen von der Richtigkeit der Rechnung überzeugen konnte.

 

X und U    

Jemand ein X für ein U vormachen. Das Zeichen X ist sowohl der Buchstabe X als auch die Zahl zehn. Das Zeichen U wurde früher wie das V geschrieben und bedeutet zugleich die Zahl fünf. Wenn ein Gläubiger aus einem V ein X machte, indem er die Striche verlängerte, machte er aus der fünf eine zehn. Er betrügt.

 

Löffel    

Jemand über den Löffel barbieren, ihn betrügen, benachteiligen. Barbiere schoben früher den alten, zahnlosen Männern mit eingefallenen Wangen einen Löffel in den Mund, um die für die Rasur erforderliche feste Wölbung zu erzielen. Ursprünglich bedeutet der Ausdruck also: mit jemand nicht viele Umstände machen.

 

Pfeffer  

Dahin gehen, wo der Pfeffer wächst: weit weg, ganz aus dem Blickfeld. Aus dem Mittelalter, in dem man das Ursprungsland des Pfeffers kaum kannte und nur wusste, dass er von weit herkam. 

 

Allseits bekannte Redewendungen
  • etwas in die Waagschale werfen    
  • Argumente werden abgewogen