Kalles Geschichte(n)

Hallo, ich bin Kalle. 

Also, eigentlich heiße ich Karl-Heinz, wie schon mein Opa. Aber den haben seine Freunde und die Familie auch immer Kalle genannt. Opa hat schon in Herford gewohnt, genau wie sein Opa. Er hat mir viel über seine Kindheit erzählt, wie das damals hier so war. Was sie gespielt haben, wo sie auf Abenteuer waren und welche Geheimnisse sie dabei entdeckt haben. Einige seiner Geschichten möchte ich euch hier erzählen, aber auch Spannendes von heute. Ich hoffe, ihr findet die Geschichten genauso interessant, wie ich.

Euer Kalle

Archäologie

Ich liebe Geheimnisse. Ihr auch? Es gibt zum Beispiel unter der Erde viele Dinge, von denen wir heute nichts mehr wissen. Vor langer Zeit standen vielleicht irgendwo Häuser, die mittlerweile verschwunden sind. Dann baggern Bauarbeiter ein Loch, möglicherweise um ein Wasserrohr zu verlegen und finden zufällig alte Steine oder Scherben. Manchmal vermuten oder wissen Forscher, dass irgendwo etwas im
Boden verborgen sein muss. Aber um herauszubekommen, wo und was das genau ist, muss man an den Stellen graben.

Dafür gibt es Archäologen, ein ganz spannender Beruf. Die Archäologie sucht Dinge, die Menschen hinterlassen haben. Neben Gebäuden gehören dazu beispielsweise auch Werkzeuge, Geschirr und Kunstwerke, die viele tausend Jahre alt sein können. Ganz selten werden auch
Schätze entdeckt, die dann in Museen gezeigt werden.

Auch in Herford werden Funde gezeigt, die vor über 35 Jahren auf dem Rathausplatz und an der Münsterkirche gefunden wurden. Mehrere Jahre wurden hier von Archäologen Grabungen durchgeführt und die Geschichte des alten Herfords erforscht.

Die ältesten Dinge, die gefunden wurden, waren Mauern, die weit über 1.000 Jahre alt sind. Auch Scherben und jede Menge Knochen haben die Forscher entdeckt. Nachdem die Grabungen beendet wurden, hat man die Löcher wieder verfüllt. Damit waren die alten Mauern wieder geschützt, aber leider nicht mehr zu sehen.

In den Jahren 2024 bis 2025 wurden über einigen Bereichen zwei Häuser gebaut. Die Erde wurde wieder entfernt, so dass die alten Mauern zu sehen sind. Das ist jetzt wie ein kleines Fenster in die Geschichte des Stiftes am Münster.

Deshalb bekam es einen Namen, der es genau beschreibt: Archäologisches Fenster am Münster. Und damit wir es schneller aussprechen können und nicht so viel schreiben müssen, nennen wir es einfach AFaM.

Im August 2025 wurde es eröffnet. Ich freue mich, euch dort zu sehen.


Die Badeanstalt

Seid ihr schon einmal in einem Schwimmbad gewesen? Sicher. Heute ist es für uns einfach nicht nur im Sommer im Freibad, son dern auch im Winter im Hallenbad schwimmen zu gehen. Das Wasser ist dort immer schön warm. Wie war das eigentlich, bevor es diese Schwimmbäder gab? 

Eines müsst ihr wissen, nur ganz wenige Kinder konnten früher schwimmen. Auch die meisten Erwachsenen trauten sich nicht ins tiefe Wasser. Baden und schwimmen gingen alle Menschen nur im Sommer, manchmal noch zum Herbstanfang, wenn es warm war. An unseren beiden Flüssen, der Werre und der Aa, gab es einige Badeanstalten.

Hier konnte man auch im flachen Wasser planschen. Am Ufer stand ein Bademeister, der aufpasste, dass niemand ins tiefe Wasser rutschte. Für die Nichtschwimmer wurde zum Fluss hin der Bereich mit Seilen und Brettern abgegrenzt. Wer mutig war, konnte von einem kleinen Sprungbrett ins Wasser hüpfen und wer schwimmen konnte, durfte auch bis auf die andere Seite schwimmen. 

Da das Wasser nicht immer besonders sauber war und hier eben auch nur im Sommer gebadet werden konnte, wurde 1935 das Otto-Weddigen-Bad gebaut, dass die meisten Herforder nur kurz das Otto nannten. Es war damals das einzige Freibad in der Stadt und hatte sogar einen 10 Meter hohen Sprungturm.

Um auch im Winter schwimmen zu können, wurde zusätzlich vor über 50 Jahren in den Werregärten das erste Hallenbad gebaut. Eure Großeltern und Eltern können sich vielleicht noch daran erinnern. Nachdem dieses Hallenbad langsam alt wurde, baute man da, wo sich das Otto befand, das H2O, das 1997 eröffnet wurde. Das schöne Hallenbad gehört heute zu den beliebtesten Freizeitbädern in ganz Deutschland.


Die Geschichte vom Wulferthaus

Wie alt ist ein Balken?

Vor kurzem wurde ein Haus von guten Freunden restauriert das Wulferthaus, das über 450 Jahre alt ist. An der Fassade steht sogar die genaue Bauzeit - 1560. Bei den Reparaturarbeiten musste auch der Dachstuhl ausgebessert werden. Dabei hat der Zimmermann ein Stück Holz aufgehoben. Wie alt das wohl ist?

Um das herauszubekommen, gibt es eine tolle Untersuchungsmethode – die Dendrochronologie. Die ermöglicht die jahrgenaue Altersbestimmung von Hölzern. Und das weit in die Zeit zurück. Die Chronologien des Labors der Universität zu Köln reichen zum Beispiel 9.000 Jahre zurück. So alt ist das Stück Holz natürlich nicht.

Klingt schwierig, ist es aber nicht. Jeder Baum hat Jahresringe und in jedem Jahr kommt einer dazu. Bis der Baum gefällt wird. Dann wächst er ja nicht mehr. 

In Klimazonen mit ausgeprägten Jahreszeiten bilden Bäume unterschiedlich breite Jahresringe aus. Über diese kann man ablesen, wie alt der Baum ist und mit etwas Glück sogar, wann er gefällt wurde. 

Das Holz wurde immer sofort verbaut, nachdem der Baum gefällt war. Dadurch kann man möglicherweise herausbekommen, aus welcher Zeit der Dachstuhl des Wulferthauses ist. Vielleicht ist er sogar genau so alt wie das Haus. 

Jetzt wird ein Stück davon nach Köln geschickt und dort untersucht. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

Hier erfahrt ihr dann das Ergebnis.

Wie versprochen, kommt hier das Ergebnis. 

Die Forscher in Köln haben inzwischen das Stück Holz vom über 450 Jahre alten Wulferthaus am Neuen Markt dendrochronologisch untersucht. Tatsächlich wurde herausgefunden, dass dieses Stück Holz fast so alt ist wie das Gebäude – knapp 400 Jahre. Damals gab es einen großen Stadtbrand in Herford, bei dem mehrere Häuser in der Nachbarschaft verbrannten. Vielleicht wurde auch das Wulferthaus beschädigt und musste ausgebessert werden. 

Das Haus hat in seiner Geschichte viel erlebt. Erbaut wurde es von dem Ratsherrn und Kaufmann Jobst Wulfert. Der Nachname Wulfert ist die Ableitung von dem Tier Wolf. An der Fassade ist zwischen den Fenstern noch das alte Wappen zu sehen, welches tatsächlich einen Wolf zeigt.  

Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut. Irgendwann wurde der Erker entfernt, die großen Fenster zugemauert und durch kleine ersetzt. 

Mehr durch Zufall fand man vor etwa 50 Jahren heraus, wie das Haus ursprünglich ausgesehen hat. Alle Beteiligten wollten unbedingt, dass die Fassade wieder wirken sollte wie früher. Und dann wurde alles wieder so zurückgebaut, dass das Wulferthaus eines der schönsten Häuser der Stadt wurde. Seit 1981 steht es unter Denkmalsschutz. 

Nicht nur das Gebäude sieht klasse aus. Aus den Fenstern hat man einen wunderbaren Blick auf das gegenüberliegende ehemalige Rathaus der Neustadt, den Neuen Markt und die Johanniskirche. 


Rodeln

Im Sommer gehen wir schwimmen. Was machen wir im Winter? Schön wäre es für mich, wenn es richtig kalt würde. Dann könnten wir wieder Schlittschuh fahren. Oder, wenn es Schnee gefallen ist, rodeln gehen.

Opa hat erzählt, das in seiner Kindheit im Winter immer Schnee lag und das auch ziemlich lange. An verschiedenen Stellen rund um die Stadt gab es Hügel und Hänge, die sich hervorragend zum Schlitten fahren eigneten. Auch auf Straßen wurde früher gerodelt. Wenn zum Beispiel die Parkstraße so verschneit war, dass kaum noch ein Auto durchkam, wurden die Schlitten rausgeholt und mit ihnen vom Langenberg bis zur Salzufler Straße durchgeflitzt. Vor langer Zeit wurde hier ein Foto aufgenommen. Heute ist das nicht mehr denkbar.

 

Es gab noch andere Stellen, die mittlerweile nur noch selten genutzt werden. Dazu gehören die Hänge unterhalb vom Schützenhof. Auch vom nur wenige Schritte entfernten Luttenberg wurde zur Stiftbergstraße hinabgerodelt. Die Strecke war besonders steil. Es führte quer ein Weg darüber, der die Schlitten richtig zum Hüpfen brachte. Unten musste man aufpassen, dass niemand auf die Straße geriet. Die beiden Fotos wurden vor 50 Jahren aufgenommen, als es noch reichlich Schnee gab.

Wo könnt ihr heute in der Nähe der Stadt entspannt Schlitten fahren? Im Aawiesenpark gibt es einen schönen, langen Hügel, wo auch die kleineren Kinder rodeln können. Das ist sicher die beste Stelle in der Stadt.

Dann hoffen wir mal auf einen schneereichen Winter.