Redewendung und Etymologie

Redensarten aus dem Bereich des Bürgertums

Ausbaden  

Etwas ausbaden müssen, für das Vergehen eines anderen büßen. Wie aus den Baderegeln des Hans Sachs wissen, war es üblich, dass mehrere Personen nacheinander das gleiche Bad benutzten. Der letzte hatte das schmutzige Wasser auszugießen und das Bad zu säubern, also „auszubaden“. 

 

Ohren  

Etwas hinter die Ohren schreiben, etwas unbedingt merken müssen. Bei Rechtssprechungen, Grundsteinlegungen und anderen wichtigen Vereinbarungen wurden oft Kinder als Zeugen hinzugezogen, auf deren langer Lebenszeit man hoffte. Sie sollten später als Zeugen aussagen können. Damit sie sich gut an den Vorgang erinnern konnten, gab es planmäßig ein paar saftige Backpfeifen hinter die Ohren. 

 

Nase  

Jemand an der Nase herum führen, ihn in eine falsche Richtung führen. Kommt vom mittelalterlichen Tierbändiger, der seinen Bären einen Ring durch die Nase zog um ihn in eine bestimmte Richtung ziehen zu können.

 

Gängelband  

Jemand am Gängelband führen, bestimmen wo es lang geht. Kinder wurden früher angebunden, damit sie nicht einfach weglaufen konnten. Manchmal einfach nur, jemand gängeln.

 

Ärmel          

Etwas aus dem Ärmel schütteln, etwas vermeintlich Schwieriges leicht und mühelos tun. Der Ausdruck erklärt sich aus der mittelalterlichen Mode der weiten, taschenförmigen Ärmel, aus denen manchmal Überraschendes zutage gefördert wurde.

 

Hut      

Sich etwas an den Hut stecken, es ist mir gleichgültig. Früher hatten Gegenstände wie z.B. Federn an den Hüten eine bildhafte Sprache. So bildete regional eine Feder mit der Spitze nach hinten das Friedenssignal. War die Spitze nach vorn gedreht, war der Hutträger auf Ärger aus. Wenn er sich seine Feder an der Hut stecken kann wie er will, ist die Sache dem Betrachter gleichgültig.

 

Haube  

Jemand unter die Haube bringen, eine Frau verheiraten. Mit der Heirat hatten Frauen im Mittelalter ihre Haare unter einer Haube zu verhüllen. Aus diesem Zusammenhang kommt auch „etwas enthüllen“ oder „etwas entschleiern“. Der Brauch kommt aus germanischer Zeit. Um die Geister abzulenken, musste die Braut auf dem Weg zum Bräutigam ihr Gesicht verschleiern. Dabei wurde sie, um die Geister weiter zu verwirren, von weiteren Schleierträgerinnen begleitet. Daraus entstand auch der Brauch des Brautschleiers.

 

Fuß              

Auf großem Fuß leben, geht zurück auf Geoffrey Plantagenet, Graf von Anjou (1129-1151). Der ließ sich einen langen Schuh machen, da er eine Geschwulst an der Spitze hatte. Die höfische Gesellschaft nahm das als Modeelement auf. Im 14. Jh. wurde schließlich die Größe des Schuhwerkes Maßstab für das Ansehen. So hatte der Fürst 2,5 Fuß, der Baron 2 Fuß, ein Ritter 1,5 Fuß und Bürger 1 Fuß Schuhlänge. Ein Fuß waren etwa 30 cm.