
Redensarten aus dem Bereich der Kirche
Glocke
Etwas an die große Glocke hängen, richtig bekannt machen. Wichtige Nachrichten wurden verkündete, nachdem der Gemeindediener mit der Glocke für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Hatte man dagegen nur etwas läuten hören, wurde wohl die Botschaft nicht aus erster Hand vernommen.
Fisch
Weder Fisch noch Fleisch, nichts Halbes und nichts Ganzes. Kommt aus der Reformationszeit. Damit sollten die Wankelmütigen, ewig Lahmen und Unentschlossenen gegeißelt werden, die sich weder zum Katholizismus, der den Freitag zum Fischtag bestimmte, noch zum Protestantismus, für den es kein Fleischverbot gab, bekannten.
Leviten
Jemand die Leviten lesen, kräftig die Meinung sagen. Geht zurück auf das dritte Buch Mose, „Leviticus“, mit Verordnungen für die Geistlichen. Ab dem 8. Jahrhundert wurden den Ordensherren nach der Morgenandacht, bei gemeinsamen Gebet und Gesang die Regeln des Leviticus vorgelesen, die allerlei Ermahnungen und Maßregeln einschlossen.
Klappe
Die Klappe halten, still sein. Bei bestimmten liturgischen Handlungen, zu denen auch die Verlesung der Leviten gehörte, hatten die Ordensherren oder auch Chorherren aufzustehen. Ihr Sitz im Chorgestühl wurde dabei von ihnen hochgeklappt. So hatten sie, wenn ihnen die Leviten gelesen wurden, die Klappe zu halten.
Nägel
Es brennt auf den Nägeln, es wird eilig. Während der Verlesung hatten die Kirchenangehörigen Kerzen in den Händen, die oft nur für die Dauer der Handlung brannten. Zog sich die Sache etwas länger hin, brannte es schnell auf den Nägeln der Kerzenträger.
Tohuwabohu
Durcheinander, Chaos, hebräischer Begriff. Das Wort gehört mittlerweile zum normalen Sprachgebrauch. Steht im zweiten Satz der Bibel (Gen. 1,2). Später übersetzt mit wüst und leer.
Auge um Auge- Zahn um Zahn
Gleiches mit gleichem vergelten. Moses gab dem Volk Gottes folgende Anweisung innerhalb einer langen Liste von Schadensregulierungen. (Ex. 21, 23-25). Als Rechtsregel begrenzt es die Vergeltung. Es nicht mehr Rache geübt werden, als Schaden angerichtet wurde.
Auf Herz und Nieren prüfen
Etwas ganz genau untersuchen. Das Herz galt früher als Sitz der Empfindungen. Die Nieren galten dagegen as Sitz der Gemütsbewegungen. (Ps. 7,10) „Du, gerechter Gott, prüft Herz und Nieren“: Gott prüft also das Fühlen des Menschen und sein Gewissen.
Wer’s glaubt wird selig
Das glaubten nur Naive. Hatte ursprünglich eine andere Bedeutung. Luther übersetzt den Evangelisten Markus (16,16): Wer da glaubet und getaufet wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“ Wer’s glaubt oder wer glaubt. Das >> S << macht den Unterschied.
Schwarzarbeiter
Arbeiter ohne offizielle Erlaubnis, die keine Abgaben entrichten. Arbeiter der kirchlichen Bauhütten hatten Arbeitsbücher. Bei vergehen wurden ihnen diese bis zur Urteilssprechung geschwärzt. Arbeiteten sie trotzdem, ohne Erlaubnis waren es Schwarzarbeiter.
Etymologie
Gardinenpredigt
etwas predigen- ins Gewissenreden
Steigerungsstufe Gardinenpredigt (seit 1494). Die Ehebetten waren früher mit Gardinen umrankt, um Wärme drinnen und Insekten draußen zu halten. Kam nun der Mann zu spät nach Hause konnte er sich um eine Strafrede hinter der Gardine gefasst machen.
Kadavergehorsam
buchstäblich alles unhinterfragt mit sich machen lassen
Aus den Jesuiten-Vorschriften; die Ordensmitglieder sollten sich von Gott und den Vorgesetzten leiten lassen, als seinen sie ein Kadaver, ein Leichnam, der alles mit sich machen lässt.
Allseits bekannte Redewendungen
- in Teufels Küche kommen
- im siebten Himmel sein
- jetzt schlägt’s 13
- die Engel singen hören
- seine Hände in Unschuld waschen
- der Himmel auf Erden
- Himmel und Erde in Bewegung setzen
- jemand ins Gebet nehmen
- ins Bockshorn jagen
- wenn der Teufel los ist
- Kirche im Dorf lassen
- jemand die Hölle heißmachen
- Asche aufs Haupt streuen
- nach mir die Sintflut
- wie zur Salzsäule erstarrt
- sieht aus wie in Sodom und Gomorra
- zu allem Ja und Amen sagen
- das stinkt zum Himmel