Bürgerinitiative und Pöppelmann-Medaille (Ullrich Richter)
Die Bürgerinitiative zur Erhaltung der charakteristischen Stadtbildes von Herford wurde 1972 gegründet. Gründungsväter waren in alphabetischer Reihenfolge:
Herr Dieter Ernstmeier, Herr Cord Huchzermeier, Herr Münter, Herr Helmut Richter, Herr Dr. Steinhäuser und Achim Seyler.
Diese Herrenrunde hatte sich zusammen gefunden zu einer Zeit, als in Herford die „Abrissbirne“ Stadtpolitik bestimmte. Die Pläne der Stadtplaner sahen eine Zerstörung der Altbausubstanz vor, wie sie andere Städte – z. B. Pforzheim und Magdeburg – durch die Kriegszerstörung erfahren hatten und wehleidig beklagen.
Die Berliner Straße wurde mit den begleitenden sozialen Wohnungsbauten (Lindwurm) durch die Altstadt gebrochen. Als schäbigen Beleg dieser verfehlten Stadtplanung kann man den halben „Holland“ besichtigen. Für Parkhäuser (sieben waren geplant) in der Radewig und an der Tribenstraße wurden ganze Altstadtviertel abgeräumt. Auch hier kann man die verbliebenen Überreste, wie zum Beispiel die einseitige Tribenstraße, als Mahnmal verfehlter Stadtpolitik betrachten. Aber nicht nur dem „Götzen“ Auto wurde das charakteristische Stadtbild geopfert, sondern auch sonstigen wirtschaftlichen Interessen.
Die Gründungsveranstaltung der Bürgerinitiative fand 1972 im ehemaligen Friedrichsgymnasium statt. Die Bürgerschaft lehnte sich dagegen auf, dass der spätklassizistische Bau aus der Schinkelschule der heutigen Kaufhofruine geopfert werden sollte. Schon damals war bekannt, dass der Kaufhof an dieser Stelle völlig deplatziert ist, da derartige „Magnete“ jeweils an die Enden einer Fußgängerzone gehören, um die Einkaufsströme von A nach B zu leiten. Trotz des bürgerlichen Engagements wurde das das Stadtbild prägende Gebäude am 19. Juni 1972 abgerissen.
Der Kampf gegen die übermächtigen Interessen der Stadtplaner um den Erhalt des alten Postgebäudes am Stephanplatz (1980) sowie der Fachwerkhäuser an der Komturstraße 9 und 11 sind nur einige Beispiele für die „Schadensbegrenzung“, die durch die Aktivitäten der Bürgerinitiative erreicht wurden.
Aber nicht nur mit Stadtgestaltung beschäftigte sich die Bürgerinitiative und beschäftigt sich auch heute noch damit, sondern auch mit Landschaftsschutz, wie der bereits damals zur Diskussion stehenden B 239 durch das Werretal. Bemühungen um die Freihaltung des Werretales unterhalb von Herford – hier die Verhinderung der Kläranlage in Herford, die ins Werretal gesetzt werden sollte, und die B 239, die zwischen der Bünder Straße und der Löhner Straße eingequetscht bereits 1979 geplant war und wieder geplant ist. Den Planern und Politikern, die Verantwortung dafür tragen, dass diese unsinnige Planung, die die Zerstörung des Werretales bedeutet, wieder aus der Schublade gezogen wurde, sollte man einen „besonderen“ Preis zukommen lassen.
Mit der Pöppelmann-Medaille werden seit 1975 besonders gelungene Neubauten und Restaurierungen von Häusern prämiert. Sie soll zum einen Anreiz, zum anderen ein Dankeschön sein für Investoren, die sich in besonderer Art und Weise positiv für das Herforder Stadtbild und die Herforder Landschaft verdient gemacht haben. Die Verleihung findet inzwischen großes Interesse in Politik, Verwaltung und Bürgerschaft. An dieser Stelle muss man auch der großzügigen Presseberichterstattung danken.
1974 wurde die Medaille von Helmut Richter entworfen. Die hohe gestalterische Qualität wurde von der Bürgerinitiative schnell erkannt und beschlossen, dass sie nur für besondere architektonische Verdienste verliehen wird und nicht käuflich zu erwerben ist. Inzwischen sind rund 160 Auszeichnungen vergeben worden. Die Verleihung der Medaillen befindet sich im 31. Jahr. Sehr vieles, für das die Bürgerinitiative u. a. mit Verleihung der Pöppelmann-Medaille seit 31 Jahren kämpft, ist heute bei den meisten verantwortungsbewussten Bürgern in Herford selbstverständliches Allgemeingut geworden.
Unterstützung bekamen die Gründungsmitglieder von Luis Trenker, Stadtoberbaurat Dipl. Ing. Karl Dillschneider aus Bremen, dem Planer und Umgestalter des Schnorviertels. Über die Verleihung entscheidet unabhängig die Jury, die vom Verein für Herforder Geschichte e.V. gewählt wird. Ich schlage vor, die mit der Pöppelmann-Medaille seit über 30 Jahren gewürdigten Bauobjekte in einem Bildband zusammen zu fassen.



